27.3. Lisa Hütthaler – Täterin oder Opfer?

Hütthaler - Pumper - Javornik; gleiches Rennen, trotzdem ein UnterschiedEs geht weiter Schlag auf Schlag in der österreichischen Dopingszene. Aus welchen Motiven auch immer, Lisa Hütthaler erzählt im heutigen Kurier Interview mit Rainer Fleckl nicht nur, dass sie gedopt hat, sondern wie sie in diesen Sumpf hineingeraten ist, wer sie gedopt hat und wer ihr Dopingmittel verkauft hat.

Eines gilt es vorab mit aller Deutlichkeit festzuhalten: für ein Dopingvergehen gibt es keine Entschuldigung -  aber Gründe. Bei Hütthaler kommt hinzu, dass sie nicht nur gedopt hat, sondern dass ihr noch ein Gerichtsverfahren droht wegen der behaupteten Bestechung einer Labormitarbeiterin von Seibersdorf, die das Ergebnis einer Dopingkontrolle von Hütthaler angeblich manipulieren hätte sollen. Auch ihre Rolle beim Unfall von Kate Allen in einem Triathlon-Wettkampf scheint widersprüchlich.

 

Die ersten Reaktionen in anderen Medien, in diversen Onlineforen u.ä. deckten die gesamte Bandbreite ab und waren sehr uneinheitlich. Hat sie nur etwas zugegeben, was im Zuge der polizeilichen Ermittlungen in den nächsten Tagen sowieso ans Tageslicht gekommen wäre um damit als das Opfer dazustehen? Ist die Sache nur das Ergebnis eines (unanständigen ?) deals zwischen Hütthaler und dem „Kurier“ („du gibst uns exklusiv alle Infos, wir haben eine gute Geschichte, dafür stellen wir dich so gut wie möglich dar“)? Ist das ganze nur eine Inszenierung, damit sie mit einer Verkürzung ihrer Sperre kalkulieren kann? Oder konnte sie einfach mit dieser Lebenslüge nicht mehr umgehen? Will sie nun aktiv zur Aufklärung beitragen, weil sie auch erkannt hat, dass die gedopten Sportler nicht die alleinigen Täter sind und die wahren Profiteure bisher ungestraft davon kamen? Will und kann sie mit ihrem Geständnis andere Sportler vom Dopen abhalten?

Warum aber das team2012.at, das sich mit aller Vehemenz dem Antidopingkampf verschrieben hat, der aktuellen Entwicklung etwas Positives abgewinnen kann und einer Dopingsünderin  Lob ausspricht, sei hiermit erläutert:

Wir sprechen Lisa Hütthaler für diesen Weg ausdrücklich unsere Hochachtung aus. Wir nehmen aufgrund der Umstände an, dass wir nicht nur auf einen PR-Gag hereinfallen. Für uns ist das ein Fall, wo mit Schlimmem noch Schlimmeres verhindert werden kann. In diesem Fall heiligt der Zweck tatsächlich die Mittel, wenn es dadurch gelingt, zumindest einen Teil des Netzwerkes der Doping-Hintermänner zu zerschlagen. Die skrupellosen Hintermänner sollen erkennen, dass sie sich in Österreich nicht mehr länger in Sicherheit wiegen können. Man kann an die Hintermänner nur über die Aussagen ihrer „Kunden“ herankommen. Genau das hat Lisa Hütthaler getan. Man hätte auch andere schon längst über entsprechende Strafrechtsbestimmungen im Antidopinggesetz dazu bringen können, das haben unsere Gesetzgeber aber bisher verhindert.

Die Situation kann sich durch neue Informationen natürlich wieder anders darstellen. Derzeit ist es aber so, dass Lisa Hütthaler eben durch die Tatsache, dass sie vermutlich entscheidend weiteren Schaden verhindert hat, großer Respekt gebührt. Sie hat sich damit Unterstützung auf einem ehrlichen Weg zurück verdient.

Tatsache ist auch, dass sich Lisa Hütthaler als einzige Sportlerin aus dem Doping-Quartett Hütthaler-Pumper-Ceplak-Javornik vom LCC-Wien abgemeldet hat, die anderen drei scheinen noch immer in der Mitgliederkartei auf.( Ceplak, Javornik und Hütthaler sind bereits rechtskräftig wegen Dopings verurteilt, bei Pumper ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen, deshalb wird sie auch nicht als Doperin bezeichnet.) Allen gemeinsam ist der mehr oder weniger enge Kontakt zu Hrn. Matschiner. Im Fall von Javornik und Pumper hat Matschiner laut ÖLV eine Art Vertreterfunktion in deren Dopingverfahren übernommen und sich für diese Athleten entsprechend engagiert. Hütthaler hat als einzige von diesen vier Athletinnen einen Dopingverstoß zugegeben. Auch dafür gebührt ihr Respekt.

Es liegt nun an den ermittelten Behörden zu prüfen, ob ein Strafrechtstatbestand vorliegt, bzw. wie weit die aufgestellten Behauptungen stimmen. Bis zur Klärung gilt natürlich die Unschuldsvermutung.

Es wird auch immer deutlicher, dass ein in dieser Angelegenheit sehr ambitionierter Minister Darabos entscheidende Verbesserungen im Anti-Dopingkampf bringt. Die Zeiten, wo zumindest gerüchteweise Dopingfälle vertuscht, Verfahren nach Weisungen aus dem Ministerium eingestellt wurden, wo Sport-Staatssekretäre angeblich aktiv beim Vertuschen mitgeholfen haben, die dürften nun der Vergangenheit angehören. (Die unglückliche Neuerung im Sport-Fördersystem durch Konzentration der Förderentscheidungen auf ein bestimmtes Personengremium wird ein eigenes Thema sein auf www.team2012.at)

Nochmals: Gratulation an Lisa Hütthaler zu ihrem mutigen Schritt und viel Kraft und Ausdauer auf ihrem schwierigen Kampf zurück, der vielleicht ihr schönster und erfolgreichster Wettkampf werden wird.

Lisa Hütthaler hat uns heute geschrieben: „Ich bitte um Verständnis, dass ich mich derzeit in meinen engsten Familien- und Freundeskreis zurückziehe. Ich muss zu Kräften kommen, da ich sehr leer und noch ängstlich bin.

Dafür haben wir Verständnis.

Stefan Matschiner hat uns auch geschrieben und zwar, dass er sich freut, dass wir ihn auf www.team2012.at abbildenMatschiner erklärt Podgronik (Trainer von Javornik) wie es geht und: „Ich muss schauen, dass meine Burschen… ihr Geld verdienen können“  Lg Stefan

Anerkennung gebührt auch dem "Burschen" Martin Pröll, der heute sofort die Zusammenarbeit mit Stefan Matschiner für beendet erklärt hat.