| 3.12. DDR-Stasi im heimischen Sport - aktualisiert am 8.12. |
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Vor einiger Zeit erhielten wir über das ZDF von der „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik" Kopien von Originalunterlagen von Stasi Gesprächsprotokollen mit der Person Dr. Helmut Stechemesser. Fr. Gabriele Steinbach ließ wissen, dass es über Stechemesser „zwei dicke Ordner an Unterlagen" gibt, wovon wir 14 Seiten vorliegen haben. Zum Schutz anderer Personen wurden entsprechende Hinweise geschwärzt.
Stechemesser wurde bei uns als Trainer von Susanne Pumper, Theresia Kiesl, Jolanda Ceplak, Stephanie Graf, Helena Javornik, Simon Vroemen, Stefan Matschiner u.a. bekannt. Unter diesen Athleten gab es gleich mehrere Dopingfälle, Stefan Matschiner „die Spinne im österreichischen Dopingnetzwerk" (div. Medienberichte) wartet auf seine Anklage.
Stechemesser hatte gegen den Teamleiter des team2012.at (Wilhelm Lilge) eine gerichtliche Klage angestrengt, weil dieser ihn in einem Radiointerview als „Doping-Hintermann" und „Bestandteil eines mafiaähnliches Netzwerkes" bezeichnet hatte. Den Prozess am Straflandesgericht Wien hat Stechemesser aber verloren, Lilge wurde freigesprochen und die Richterin hielt in der schriftlichen Urteilsbegründung u.a. fest, dass Dr. Helmut Stechemesser war, bevor er 1991 nach Österreich kam, in den 80er Jahren betreuender Arzt der DDR-Schilanglauf-Nationalmannschaft. In dieser Eigenschaft kam er auch immer wieder nach Österreich (v.a. Tauplitz), wo er eine einheimische Frau kennenlernte. Die Stasi beobachte ihre „Reisekader" sehr genau, um Fluchtversuche möglichst zu verhindern. Kontakte mit „NSW" (= Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet) - Personen waren deshalb zumindest unerwünscht. Stechemesser wurde deshalb auch von der Stasi als OPK (operative Personenkontrolle) „Alm" vernommen und es wurde ihm klargemacht, dass diese „NSW-Person" möglicherweise bewusst vom feindlichen Westen auf ihn angesetzt sei, um „Geheimnisse des DDR-Leistungssports" zu erfahren. Die Stasi suchte immer nach möglichen „IM" (inoffizielle Mitarbeiter, also Spitzel), um die Überwachung der Bürger zu perfektionieren. Absolute "Konspirativität", auch innerhalb der eigenen Familie, war dafür Voraussetzung. Stechemesser erklärte sich im Zuge mehrerer Gespräche mit Stasi-Offizieren „ausdrücklich bereit, mit dem Sicherheitsorgan zusammenzuwirken", also Informationen über andere Personen zu liefern, „wenn es wirklich um Leute geht, die die sozialistischen Machtverhältnisse beseitigen wollen." Beim Gespräch am 22.9.89 berichtete Stechemesser davon, dass er seit zwei Tagen Besitzer Schlusssatz: „Die Opk-Person (Anm: Stechemesser) erklärte sich bereit, bei einem nächsten Besuch bei... (Anm: dem Pfarrer) die operative Aufklärung fortzusetzen."
Das Ende der DDR kurze Zeit später bedeutete auch das Ende der Stasi. Viele Unterlagen wurden schleunigst vernichtet, und kaum jemand will damit etwas zu tun gehabt haben. Gerade im Sport (v.a. in der BRD) war eine frühere Stasi-Tätigkeit oft kein Hindernis für weitere verantwortungsvolle Aufgaben. Größere Kaliber wie Dr. Bernd Pansold (rechtkräftig verurteilt wegen Körperverletzung an Minderjährigen (er hatte ihnen ohne deren Wissen Dopingmittel verabreicht) und der auch als "IM" (inoffzieller Stasi-Mitarbeiter) aufscheint) zog es nach Österreich oder andere Länder. Auch Stechemesser ließ sich in Österreich nieder. In Deutschland gibt es ein sehr gut funktionierendes Zentralregister aller wissenschaftlichen Arbeiten (u.a. Diplomarbeiten und Dissertationen), wo die Dissertation von Stechemesser aber nicht gefunden werden konnte. Prof. Werner Franke,
Die DDR hatte bei genauer Betrachtung eigentlich ein sehr ineffizientes Sportsystem, wenn man den Aufwand den Erfolgen gegenüberstellt. So waren alleine in der Leichtathletik in den 80er Jahren ca. 600 (!) hauptamtliche Trainer tätig, in Österreich sind es derzeit nicht einmal 3. In jenen Sportarten, die zumindest mit den damaligen Dopingmitteln kaum positiv verfälscht werden konnten, war der DDR-Sport auch nur Mittelmaß. Es war aber natürlich nicht alles schlecht im DDR-Sportsystem. Die systematische Talenterfassung zeigte jungen Menschen zumindest mögliche Perspektiven im (Leistungs-) Sport auf, während bei uns im Bereich der Sportförderung massiv Mittel verschleudert werden oder Fördermaßnahmen einfach an Talenten vorbei gesetzt werden, weil die wirklichen Talente meist gar nicht erkannt werden. Die DDR-Sportschulen - wenn man den ganzen ideologischen, politischen Kram wegläßt - boten für junge Leistungssportler optimale Rahmenbedingungen, während unsere Pseudo-Elitesportschulen verzweifelt nach Freiwilligen suchen müssen und jeden nehmen, der ohne Herzinfarktgefahr ohne Aufzug in den ersten Stock kommt. Vielleicht bringen wir in Kürze noch einen Bericht über einen sehr interessanten Geheimdienstler aus einem anderen osteuropäischen Land, wo Doping inkl. Einbruch ins Dopinglabor, gekaufte Dissertation, Spitzensportler als angebliche Referenzen - von denen die Betroffenen den Trainer gar nicht wirklich kannten, und pädagogische Fähigkeiten die junge Sportler in Spital brachten, etc. die Zutaten dafür bildeten, dass man in Österreich diesen Mann massiv förderte (und immer noch fördert!) und in höchste Positionen setzte und ihn die Geheimdienst-Erfahrungen auch in Österreich nützen ließ - im Auftrag des Österreichischen Sportministeriums. Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung. Die Echtheit aller verwendeten Unterlagen wurde nach bestem Wissen und Gewissen geprüft, dennoch kann dafür keine Gewähr übernommen werden.
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