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3.12. DDR-Stasi im heimischen Sport - aktualisiert am 8.12.

Die Quelle der UnterlagenWappen der StasiDas DDR-Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) erlangte einst traurige Berühmtheit. Die Stasi war ein Instrument der Unterdrückung und Überwachung der sozialistischen Einheitspartei (SED). Bis 1981 gab es sogar (geheime) Hinrichtungen von DDR-Bürgern, die von der Stasi bespitzelt worden waren. Auch der DDR-Sport, wo eine wBespitzelung eines Pfarrers?esentliche Säule des Erfolges systematisches Doping war, war von der Stasi unterwandert. Einer, der zwar nicht an vorderster Front stand, aber auch mit der Stasi kooperierte und andere Menschen bereitwillig bespitzelte, kam später nach Österreich und wurde dort ein erfolgreicher (?) Trainer, der auch aus öffentlichen Mitteln gefördert wurde. 

  

Vor einiger Zeit erhielten wir über das ZDF von der „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik" Kopien von Originalunterlagen von Stasi Gesprächsprotokollen mit der Person Dr. Helmut Stechemesser. Fr. Gabriele Steinbach ließ wissen, dass es über Stechemesser „zwei dicke Ordner an Unterlagen" gibt, wovon wir 14 Seiten vorliegen haben. Zum Schutz anderer Personen wurden entsprechende Hinweise geschwärzt.

Stechemesser wurde bei uns als Trainer von Susanne Pumper, Theresia Kiesl, Jolanda Ceplak, Stephanie Graf, Helena Javornik, Simon Vroemen, Stefan Matschiner u.a. bekannt. Unter diesen Athleten gab es gleich mehrere Dopingfälle, Stefan Matschiner „die Spinne im österreichischen Dopingnetzwerk" (div. Medienberichte) wartet auf seine Anklage.

Stechemesser ist als Arzt und Leistungsdiagnostiker in Oberösterreich tätig, wo u.a. Kadersportler ihre vom Sportministerium finanzierten Untersuchungsschecks einlösen können (vom IMSB akkreditierte Untersuchungsstelle), d.h. er ist nach wie vor in die offiziellen und geförderten Sportstrukturen in Österreich eingebunden. In den vergangenen Jahren wurde Stechemesser auch direkt vom Sportministerium (Top Sport Austria) gefördert. Auch Ex-Sport-Staatssekretär Mag. Karl Schweitzer, ein guter Bekannter von Susanne Pumper, nützte die Testmöglichkeiten bei Stechemesser persönlich, was bildlich dokumentiert ist.

Stechemesser hatte gegen den Teamleiter des team2012.at (Wilhelm Lilge) eine gerichtliche Klage angestrengt, weil dieser ihn in einem Radiointerview als „Doping-Hintermann" und „Bestandteil eines mafiaähnliches Netzwerkes" bezeichnet hatte. Den Prozess am Straflandesgericht Wien hat Stechemesser aber verloren, Lilge wurde freigesprochen und die Richterin hielt in der schriftlichen Urteilsbegründung u.a. fest, dass Lilge der Wahrheitsbeweis für seine Aussagen gelungen sei, Stechemesser als „Doping-Hintermann" zu bezeichnen. Das Verfahren gegen Lilge sei außerdem als "persönlicher Rachefeldzug" dafür zu werten, dass Lilge Dopingkontrollen veranlasst hatte, die Susanne Pumper und Helena Javornik zum Verhängnis wurden. Weiters führte die Richterin aus, dass Trainer im Spitzensport bei einem engen Betreuungsverhältnis mitbekommen müssen, wenn deren Athleten dopen. Stechemesser wurde zum Ersatz der Verfahrenskosten verurteilt. Genaue Infos dazu in einem früheren Bericht: http://www.team2012.at/index.php?option=com_content&view=article&id=124:166-freispruch-in-stechemesser-klage-und-qsportlightq

Dr. Helmut Stechemesser war, bevor er 1991 nach Österreich kam, in den 80er Jahren betreuender Arzt der DDR-Schilanglauf-Nationalmannschaft. In dieser Eigenschaft kam er auch immer wieder nach Österreich (v.a. Tauplitz), wo er eine einheimische Frau kennenlernte. Die Stasi beobachte ihre „Reisekader" sehr genau, um Fluchtversuche möglichst zu verhindern. Kontakte mit „NSW" (= Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet) - Personen waren deshalb zumindest unerwünscht. Stechemesser wurde deshalb auch von der Stasi als OPK (operative Personenkontrolle) „Alm" vernommen und es wurde ihm klargemacht, dass diese „NSW-Person" möglicherweise bewusst vom feindlichen Westen auf ihn angesetzt sei, um „Geheimnisse des DDR-Leistungssports" zu erfahren.

Die Stasi suchte immer nach möglichen „IM" (inoffizielle Mitarbeiter, also Spitzel), um die Überwachung der Bürger zu perfektionieren. Absolute "Konspirativität", auch innerhalb der eigenen Familie, war dafür Voraussetzung. Natürlich konnte niemand zu einer Zusammenarbeit mit der Stasi und dem Bespitzeln anderer Bürger gezwungen werden, ohne persönliche Überzeugung an der Richtigkeit des Tuns wäre die Tätigkeit mitunter kontraproduktiv gewesen. Deshalb wurden natürlich Anreize für eine Mitarbeit geboten, die viele schwach werden ließen.

Stechemesser erklärte sich im Zuge mehrerer Gespräche mit Stasi-Offizieren „ausdrücklich bereit, mit dem Sicherheitsorgan zusammenzuwirken", also Informationen über andere Personen zu liefern, „wenn es wirklich um Leute geht, die die sozialistischen Machtverhältnisse beseitigen wollen." Beim Gespräch am 22.9.89 berichtete Stechemesser davon, dass er seit zwei Tagen Besitzer eines Wartburg 1,3 (Anm: keine Luxuslimousine, sondern so wie der Trabant ein Auto aus DDR-Eigenproduktion, auf die aber normale Bürger üblicherweise auch sehr lange Wartefristen in Kauf nehmen mussten) Interessant ist u.a. das Detail, dass die vierte Aussprache mit Stechemesser in diesem Zusammenhang am 18.11.89 durchgeführt wurde, also 9 Tage nach dem Mauerfall! Bei diesem Gespräch „in einer politisch brisanten Zeit" („Genosse Doberstein") berichtete Stechemesser der Stasi über einen Pfarrer und langjährigen Freund (ehemaliger Leistungssportler) und dass dieser überzeugt sei, „vermittels seiner kirchlichen Funktion und des Einflusses als Pfarrer auf Menschen, die Verhältnisse der DDR zu verändern..."

Schlusssatz: „Die Opk-Person (Anm: Stechemesser) erklärte sich bereit, bei einem nächsten Besuch bei... (Anm: dem Pfarrer) die operative Aufklärung fortzusetzen."

Das Ende der DDR kurze Zeit später bedeutete auch das Ende der Stasi. Viele Unterlagen wurden schleunigst vernichtet, und kaum jemand will damit etwas zu tun gehabt haben. Gerade im Sport (v.a. in der BRD) war eine frühere Stasi-Tätigkeit oft kein Hindernis für weitere verantwortungsvolle Aufgaben. Größere Kaliber wie Dr. Bernd Pansold (rechtkräftig verurteilt wegen Körperverletzung an Minderjährigen (er hatte ihnen ohne deren Wissen Dopingmittel verabreicht) und der auch als "IM" (inoffzieller Stasi-Mitarbeiter) aufscheint) zog es nach Österreich oder andere Länder. Auch Stechemesser ließ sich in Österreich nieder.

In Deutschland gibt es ein sehr gut funktionierendes Zentralregister aller wissenschaftlichen Arbeiten (u.a. Diplomarbeiten und Dissertationen), wo die Dissertation von Stechemesser aber nicht gefunden werden konnte. Prof. Werner Franke, Deutschlands bekanntester „Dopingjäger", findet keine andere Erklärung für verschwundene Forschungsarbeiten von Sportmedizinern aus der ehemaligen DDR als dass die Arbeit eine „Doping-Forschungsarbeit" war und deshalb verschwunden ist. Franke bezeichnete Stechemesser selbst als „Handlanger des DDR-Staatsdopings" und „Vertreter der „Leipziger Schule", die sich auf Blut-Doping spezialisiert hat", wogegen Stechemesser nicht geklagt hat.

Die DDR hatte bei genauer Betrachtung eigentlich ein sehr ineffizientes Sportsystem, wenn man den Aufwand den Erfolgen gegenüberstellt. So waren alleine in der Leichtathletik in den 80er Jahren ca. 600 (!) hauptamtliche Trainer tätig, in Österreich sind es derzeit nicht einmal 3. In jenen Sportarten, die zumindest mit den damaligen Dopingmitteln kaum positiv verfälscht werden konnten, war der DDR-Sport auch nur Mittelmaß. 

Es war aber natürlich nicht alles schlecht im DDR-Sportsystem. Die systematische Talenterfassung zeigte jungen Menschen zumindest mögliche Perspektiven im (Leistungs-) Sport auf, während bei uns im Bereich der Sportförderung massiv Mittel verschleudert werden oder Fördermaßnahmen einfach an Talenten vorbei gesetzt werden, weil die wirklichen Talente meist gar nicht erkannt werden. Die DDR-Sportschulen - wenn man den ganzen ideologischen, politischen Kram wegläßt - boten für junge Leistungssportler optimale Rahmenbedingungen, während unsere Pseudo-Elitesportschulen verzweifelt nach Freiwilligen suchen müssen und jeden nehmen, der ohne Herzinfarktgefahr ohne Aufzug in den ersten Stock kommt.

Vielleicht bringen wir in Kürze noch einen Bericht über einen sehr interessanten Geheimdienstler aus einem anderen osteuropäischen Land, wo Doping inkl. Einbruch ins Dopinglabor, gekaufte Dissertation, Spitzensportler als angebliche Referenzen - von denen die Betroffenen den Trainer gar nicht wirklich kannten, und pädagogische Fähigkeiten die junge Sportler in Spital brachten, etc. die Zutaten dafür bildeten, dass man in Österreich diesen Mann massiv förderte (und immer noch fördert!) und in höchste Positionen setzte und ihn die Geheimdienst-Erfahrungen auch in Österreich nützen ließ - im Auftrag des Österreichischen Sportministeriums.

Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung. Die Echtheit aller verwendeten Unterlagen wurde nach bestem Wissen und Gewissen geprüft, dennoch kann dafür keine Gewähr übernommen werden.