13.12. Europameisterschaft im Crosslauf - wir waren dabei

funktionelle Fußbekleidung für ZuschauerAndreas VojtaWie erwartet hingen die Trauben sehr hoch bei der Cross EM in Dublin. Für die drei Teilnehmer aus unserer Trainingsgruppe kam erschwerend dazu, dass Andreas Vojta, Lisa-Maria Leutner und Tanja Eberhart Spezialisten für Bahn- und Straßenläufe sind, der sehr tiefe Boden in Dublin - nach 6 Wochen ohne regenfreiem Tag im Vorfeld (!) - war eine echte Härteprüfung.

Am ehesten durfte noch Andreas Vojta aufgrund seiner zuletzt gezeigten Leistungen mit einer Platzierung im Mittelfeld des U 23 -Rennens spekulieren, von der "Papierform" her (Bestleistungen auf der Bahn) wäre ein Platz am Beginn des 3. Drittels normal gewesen. Hier wurde von Anfang an gnadenlos Druck gemacht, obwohl das Rennen über mehr als 8 sehr schwere Kilometer ging. Andi startete schnell, aber nicht verwegen. Am Ende erkämpfte er Rang 57 von 82 Startern (also Beginn 3. Drittel) und muss damit bei seiner ersten EM (er ist noch 2 Jahre in dieser Altersklasse startberechtigt) zufrieden sein. Er ließ u.a. Läufer aus Deutschland und der Schweiz hinter sich und hat seine Entsendung auf alle Fälle gerechtfertigt.

Vor 2 oder 3 Jahren hatte er noch kaum gewagt, daran zu denken, einmal bei einer Europameisterschaft starten zu dürfen, bei Andi stimmt auf alle Fälle die Richtung der Entwicklung. Wie stark das Feld besetzt war, zeigt z.B. Platz 13 des OTanja Eberhartlympia-Elften über 10.000m (27:39) , Selim Bayrak, der nicht einmal eineinhalb Minuten vor Andi ins Ziel kam.   

Im U 23 Rennen der Frauen hatte Tanja vielleicht eine noch schwierigere Aufgabe. Sie war ja mit ihrer 10.000m Leistung für die Cross EM qualifiziert, im tiefen Boden versank sie aber stellenweise knöcheltief, Lisa-Maria Leutnerwas sicherlich nicht an ihrem Gewicht (39kg) lag. Tanja erkämpfte Rang 56 (61 Starterinnen). Auf Bahn und Straße fühlt sie sich sicherlich wohler und auch bei ihr war es die erste Cross EM. Sie war außerdem die zweitjüngste Teilnehmerin im gesamten Feld, ihren 20. Geburtstag "feierte" sie im Flugzeug nach Dublin.

Lisa-Maria, über ihre 1500m-Bahnleistung für das U 20-Rennen qualifiziert, überlegte im Vorfeld, ob sie den Start wahrnehmen sollte. Die Umstellung (Zeit und Klima) von Florida nach Irland war nicht ganz einfach und - na ja - auch das US junk food hat Spuren hinterlassen. Aber wer nicht kämpft, der hat schon verloren und verstecken hilft auch nicht. Deshalb nahm sie die Herausforderung an und kämpfte so gut es ging. Mehr als Rang 74 (von 76) war aber nicht drinnen.

Es ist sicher nicht sinnvoll, unseren Läufern (und auch dem restlichen österreichischen Team, wobei Christian Steinhammer als 31. in der U 23 Klasse unser Bester war) Vorwürfe über die Leistungen zu machen. Es sind die besten Österreicher in den einzelnen Klassen am Start gewesen und jede(r) weiß, woran zu arbeiten ist. Es ist darüber hinaus selbst Sportinteressierten, die noch nie eine Cross EM oder WM live gesehen haben, schwer zu verdeutlichen, wie eng es da zugeht und dass auch ein 30. oder 40. Platz einen Erfolg darstellen kann. An der Spítze sind übrigens immer weniger "echte" Europäer zu sehen. Ob für die Türkei eingebürgerte Äthiopier, für Frankreich oder Belgien startende gebürtige Algerier und zwei Schwarze an der Spitze des Männerrennens - dorthin geht die Entwicklung. Die Cross-Europameisterschaft wurde übrigens seinerzeit im Dezember als Ergänzung zur Cross WM (im März) eingeführt, weil bei der WM die großes Zuschauerinteresse (trotz hoher Eintrittsgebühr!) in DublinEuropäer nur schwer mit den besten Afrikanern mithalten konnten... So meint z.B. auch der verantwortliche Disziplinentrainer des deutschen Leichtathletikverbandes: "Ich bin auch regelmäßig bei den Cross-Weltmeisterschaften und dort sieht man leider schon, dass sich Europa zurückzieht und nicht mehr schmückendes Beiwerk einer afrikanischen Meisterschaft sein möchte. Das kann man bedauern, aber das ist die Realität."

Der Crosslauf auf internationaler Ebene st eine "harte Schule", aber für die langfristige Entwicklung der Läufer aufgrund der komplexen Anforderungen unheimlich wertvoll. Deshalb müssen wir uns auch diesen Herausforderungen stellen. Nicht daran teilzunehmen, weil eine Spitzenplatzierung nur in besonderen Fällen möglich scheint, wäre wohl die schlechteste Konsequenz.