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15.1. wieder Todesopfer durch Doping?

Florence Griffith-Joyner 1988Immer wieder gibt es mysteriöse Todesfälle von Sportlern oder jungen ehemaligen Sportlern, wo in vielen Fällen ungeklärt bleibt, ob und in welchem Ausmaß Doping dafür letztlich verantwortlich ist. Prominent seinerzeit der Fall der 100m-Weltrekordinhaberin Florence Griffith-Joyner, nun gibt es wieder einen Fall in Deutschland.

Die ehemalige DDR-Hürdenläuferin Birgit Uibel-Sonntag ist im Alter von nur 48 Jahren letzten Sonntag in Cottbus "an einer inneren Erkrankung" verstorben. Ihren sportlichen Leistungshöhepunkt hatte sie in den 80er Jahren, damals startete sie zehnmal bei Länderkämpfen für die DDR-Auswahl. 1984 gewann Birgit Uibel die DDR-Meistertitel über 400 Meter Hürden in 54,90 Sekunden. Bei der EM 1982 belegte sie Platzdie gleiche Sportlerin 2 Jahre vorher (Fingernägel beachten!) sechs. Von 1981 bis 1993 war Birgit Uibel-Sonntag mit dem deutschen Radsport-Bundestrainer Detlef Uibel verheiratet. Im Juni 2000 hatte Birgit Uibel im DDR-Doping-Prozess in Berlin ausgesagt, dass ihr bereits im jugendlichen Alter von Trainern Anabolika verabreicht worden waren. Sie bestätigte damals ihre Unwissenheit über den wahren Inhalt der Präparate und die Nebenwirkungen sowie die auferlegte Schweigepflicht. Die ehemalige Hürdenläuferin litt bereits während ihrer Karriere unter Beschwerden und brachte später ein behindertes Kind zur Welt.  

Es kann natürlich sein, dass in diesem konkreten Fall tatsächlich kein kausaler Zusammenhang zwischen Anabolika-Doping in Jugendjahren und dem tragischen Tod besteht. Aber vor allem in Deutschlands Leichtathletik (und nicht nur dort) hat es in den letzten Jahren eine derartige Häufung von ähnlichen Fällen gegeben, dass an Zufälligkeiten kaum mehr geglaubt wird. Die verantwortlichen Trainer und Sportmediziner befinden sich übrigens zum Großteil noch in Amt und Würden, zum Teil auch in den (von öffentlichen Mitteln geförderten) Sportverbänden. Nicht nur in Deutschland.

Einen lesenswerten Beitrag zum Thema Doping von Harald Gleißner (insbesondere auch die Haltung der internationalen Verbände und der Politik) finden Sie hier: http://russlandonline.ru/ruwir0010/morenews.php?iditem=18833 und Teil 2 hier: http://russlandonline.ru/ruall0010/morenews.php?iditem=7181

Auch wenn es vordergründig um Russland geht, so gelten viele dieser Aussagen wohl auch hierzulande.

Ein paar Auszüge daraus:

"Politiker zeigen sich entrüstet wenn Sportler des Dopings überführt werden, fordern ein härteres Durchgreifen der Verbände und beteiligen sich mit Steuergeldern an der Dopingbekämpfung - wobei sie diesbezüglich deutlich knauseriger als bei der Förderung und Belohnung von Spitzenleistungen sind. Bei ausbleibender Medaillenausbeute kürzen sie die Fördergelder für die weniger erfolgreichen Sportarten. "

"Sponsoren wissen, dass nur ein als "sauber" erscheinender Sport langfristig ihre Werbeinteressen und Absatzinteressen bedient und Einnahmen sichert. Sie schreiben deshalb Anti-Doping-Klauseln in ihre Athletenverträge aber wechseln beim Versagen der von ihnen geförderten Athleten ebenfalls schnell zu erfolgreicheren Sportlern oder Mannschaften, die (noch) nicht des Dopings überführt worden sind. Und manchmal sogar auch nicht. "

"Nach dem 20 Kilometer Geherwettbewerb bei den Olympischen Spielen in Peking sagte die Siegerin Olga Kaniskina aus Russland „ich komme aus einer Trainingsgruppe, wo die Hälfte gedopt ist”. Diese Aussage blieb ohne bekannte Folgen."