Aber dieses Problem mit der Orientierung beim team2012.at ist ja auch kein Wunder. Teamleiter Wilhelm Lilge selbst wollte 2 Tage vor dem Großglocknerlauf die Strecke besichtigen. Nach einiger Zeit kam ihm die Strecke - irgendwann nur mehr mit Steigeisen und Pickel zu bewältigen - doch etwas unwegsam für eine Veranstaltung mit 1000 Teilnehmern vor. Plötzlich angekommen beim Gipfelkreuz des höchsten Berges Österreichs freute er sich zwar über den kühlsten Punkt Österreiches an diesem Tage (ca. 6 Grad) in 3798m Höhe, musste aber erkennen, dass er offensichtlich trotz langjähriger Pfadfinder-Vergangenheit irgendwo die falsche Abzweigung erwischt haben muss. Weiter rauf gings jedenfalls nicht mehr, also wieder runter. So konnte er den Bergläufern des team2012.at wenigstens verlässlich berichten, wo die Strecke sicher nicht verlaufen würde. Verlaufen hatte sich aber offensichtlich auch ein anderer: so kam unserem teamleiter beim Abstieg auf ca. 3000m Höhe bei der Querung eines steilen Schneefeldes plötzlich ein braungebrannter Mann - nur bekleidet in einem String-Tanga im Leopardenlook (kein Witz!) und Turnschuhen - entgegen, und fragte, wie weit es noch bis zur Adlersruhe wäre...
Die Hitzewelle hinterlässt also offensichtlich Spuren. Zum Glück war es dann am Sonntag deutlich kühler und unsere Bergläufer konnten sich auf den sportlichen Teil konzentrieren. Carina Lilge-Leutner wollte beim größten Berglauf Österreichs wieder eine Top-Platzierung erreichen. Mit ähnlichen Ambitionen konnte auch Anita Waiß (letztes Jahr gemeinsam mit Carina Berglauf-Mannschaftsmeisterin) an den Start gehen, die Verletzungsprobleme überwunden hat und in ein paar Wochen beim Inferno-Triathlon in der Schweiz eine gewaltige Herausforderung annehmen wird. Masseur Gerald Dietrich war das erste Mal dabei, konnte aber auch Bergerfahrung in den Dolomiten im Vorfeld verweisen. Thomas Summer, der schon bei den Berglauf-Staatsmeisterschaften in die nationale Spitze aufgerückt war, unterbrach für diesen Lauf extra sein Höhentraining in St. Moritz und wollte zumindest seine Berglaufambitionen unterstreichen.
Carina, die mit 50 Jahren nun doch schon etwas Routine mitbringt, duellierte sich praktisch über die gesamte Distanz von Heiligenblut hinauf zur Franz-Josefs-Höhe (12670m mit 1520m Höhendifferenz) mit Berglauf-Weltmeisterin Anna Pichrtova, die zugegebenermaßen nicht in Höchstform angetreten war. Am letzten Steilstück konnte sich Carina dann entscheidend absetzen und erreichte den hervorragenden 4. Gesamtrang. Die Konstanz der Leistungen ist jedenfalls auch im "fortgeschrittenen" Lauf-Alter beeindruckend: beim letzten Antreten im Jahr 2008 lief Carina 1:38:22, in diesem Jahr: 1:38:26. Daran erkennt man einmal mehr, wie lange man mit diszipliniertem, ehrlichem Training konstant gute Leistungen erbringen kann und dass auch eine komplizierte Achillessehnenoperation (im letzten November) kein Grund zur Resignation sein braucht.
Im Zielsprint die Nase (und den Rest) vorne hatte überraschend ein (vergleichsweiser) Mountain-Rookie, nämlich unser Gerald Dietrich. Quasi aus Carinas (schmächtigem) Windschatten heraus setzte er auf der Zielgerade zum Überholmanöver an und zeigte, dass er für sein Ziel - einen schnellen Marathon im Herbst - schon wieder eine sehr gute Basis mitbringt.
Hervorragend auch die Leistung von Anita Waiß: nur zweieinhalb Minuten nach Carina kam die vielseitige Ausdauersportlerin (Ultraläufe, Mountainbikerennen, demnächst Ultra-Triathlon, ...) als Gesamt-Sechste ins Ziel und ließ dabei viele höher eingeschätzte Läuferinnen hinter sich. Dass beim Großglockner-Berglauf somit gleich zwei Läuferinnen des team2012.at unter den Top 6 platziert wären, damit durften wir im Vorfeld nicht wirklich spekulieren. Dies ist keinem anderen österreichischen Verein gelungen, somit haben wir Wien wieder einmal zur Berglauf-Hochburg gemacht.
Schon mitten beim finisher-Buffet war zu dieser Zeit aber schon unser Thomas Summer: der unter den Österreichischen
Bergläufern fast als Baby (Jg. 87) geltende Läufer zeigte keinen Respekt vor großen Namen und Legenden und lief einfach mit den besten Österreichern mit. Nach 1:20:53 hatte er bereits das Ziel erreicht und kam als 17. sogar noch in die Preisgeld-Ränge. Damit verbesserte er seine bisherige Glockner-Bestleistung um rund 6 Minuten und klassierte sich u.a. vor dem Berglauf EM-Starter Thomas Heigl und direkt hinter Alois Redl. Bei entsprechender Weiterentwicklung darf Thomas spätestens im kommenden Jahr bei der Heim-Staatsmeisterschaft im Ländle mit einer Qualifikation für das Berglauf-Nationalteam rechnen und dann auch Österreich international vertreten.
So durften alle Sportler unseres Teams mit den Leistungen des Wochenendes zufrieden sein. Alle? Nicht ganz. Teamleiter Wilhelm Lilge, dem von der vortägigen 12-Stunden Bergtour mit gescheiterter Streckenbegehung noch alles weh tat, trat am Samstag zum "G'sund-Berglauf" in Heiligenblut über 5km an, in der Hoffnung, dass er damit wieder schnell gsund würde. Hoffnung leider zerstört. Stattdessen Megafrust bei der Siegerehrung: der vermeintliche 3. Platz und damit das Karriere-Highlight wurde gar nicht geehrt. In der Ausschreibung stand nämlich, dass jene Läufer geehrt würden, die der Durchschnittszeit am nächsten kämen. Man sollte also Ausschreibungen lesen und das Laufen besser anderen überlassen, die das besser können. Dem Großglockner war das sowieso alles egal. Der stand nachher noch genauso da.