26.7. typische Hochzeitsvorbereitungen eines Bergläufers - Bericht von Wolfgang Zingl

Wolfgang Zingl (hier beim Verbier 110km Ultra Trail)Das team2012.at ist ja nicht nur in Barcelona bei der EM aktiv. Wolfgang Zingl, unser Mann fürs Extreme, startete bei den "Skyrunning" Weltmeisterschaften. Nachfolgend sein interessanter und sehr lesenswerter Bericht über die vielen Facetten des Laufens und auch vielleicht eine Anregung, wie man Hochzeitsvorbereitungen als Läufer gestalten könnte.

 

 

Meine "Geschichte" beginnt bereits vor einer Woche, als es auch bei uns noch sehr heiß war. Dennoch habe ich mich auf den Weg nach Italien gemacht, besser gesagt nach Südtirol wie manch Einheimischer energisch anmerken würde. Die Skyrunning Weltmeisterschaft fand die letzten Jahre immer in Form einer ganzen Rennserie statt, 2010 wurden die Weltmeister erstmals in einzelnen Rennen ermittelt: Am 17. Juli im Vertical Kilometer, gestern im Skymarathon. Da es auch eine Kombination aus beiden Bewerben gibt, ich dort am ehesten die Möglichkeit auf ein gutes Resultat sah, habe ich mich entschieden bei beiden zu starten. Dazu muss ich anmerken, dass Österreich eigentlich kein Mitglied der ISF (Int. Skyrunning Federation) ist und somit auch nicht startberechtigt, da ich in der Vergangenheit aber bereits mehrmals Skyraces bestritten habe, man offensichtlich daran interessiert ist möglichest viele Nationen an den Start zu bringen, erhielt ich eine Einladung.

 

Der Vertical Kilometer in Canazei war eine völlig neue Herausforderung. Meine Beine fühlten sich nur 10 Tage nach dem Ultratrail Verbier überraschend gut an, hinsichtlich meiner Möglichkeiten gab ich mich dennoch keinen Illusionen hin: 1000 Hm auf nur 2,1 km ( !!!!!! ) würde bedeuten 35, 40 Minuten voll am Anschlag zu laufen. Etwas, was man als Ultraläufer.................genau, überhaupt nie macht. Meine Befürchtungen verstärkten sich noch als ich am Start feststellte, dass abgesehen von mir, Jonathan Wyatt und dem Griechischen Marathonmeister ( in seinem ersten Berglauf ! ) alle Athleten mit Stöcken bewaffnet waren. Das stellte kein so großes Problem für Jono dar, der an der Spitze des Feldes lief um letztendWolfgang Zingl - Natur pur in jeder Form beim Berglauflich Fünfter zu werden, als "Middle of the pack runner" sah ich mich hingegen permanent der Gefahr ausgesetzt eine Stockspitze ins Gesicht zu bekommen. Das WM Rennen wurde innerhalb eines normalen Rennens ausgetragen, 202 Läufer/innen sprinteten in dem Wissen, am schmalen Pfad später kaum noch überholen zu können, in die Steigung hinein. Etwas, was der Ultraläufer - genau, ebenfalls nie macht und so gar nicht mag. Bald schon sah ich mich in harte Positionskämpfe verwickelt die nicht selten damit endeten, dass mir der Stärkere eine mit dem Stock gab. Genossen habe ich das Rennen nicht wirklich, auch erreichte ich mein optimistisches Ziel von 40 Minuten nicht. Mit meinem Kilometerschnitt von 22:30 dürfte ich wohl etwas mehr als 20 Minuten über denen von Andi (Anm: Vojta) liegen und wohl immer noch 17, 18 Minuten hinter denen unserer anderen Teammitglieder. Ich trage es mannhaft und mit Fassung, zumal es auch noch Langsamere gab, ich erreichte den 58. Platz, in der WM Wertung sogar den 21. Letzteres klingt nichtmal so schlecht, ersteres hingegen........... Na ja, ich bin mit diesem Reglement, obwohl ich davon profitiert habe, nicht ganz glücklich. Gemeinsam mit dem Innsbrucker Thomas Scheiring belegten wir im Nationenranking den 9. Platz.

  

Der Skymarathon fand 9 Tage später in Premana statt. Die Fahrt ist nicht anders als abenteuerlich zu bezeichnen, vor allem die finale Bergstraße hinauf nach Premana werden wir - Sven Bogner, Teammanager (und in 6 Tagen Ehefrau) Brigitte und ich - niemals wieder vergessen. Teils war die Straße so schmal, dass selbst ein entgegenkommendes Fahrrad keinen Platz mehr gefunden hätte, ein umgstürzter Baum hätte überhaupt fast das Aus unserer WM Ambitionen bedeutet, als wir uns schon sicher waren einer zufälligen Namensgleichheit zum Opfer gefallen zu sein "weil hier unmöglich eine WM sein kann" kamen wir doch noch an. Ja, und am Rückweg haben wir dann sogar die mehrspurige Schnellstraße entdeckt, auf der man in wenigen Minuten unten bei der Autostrada ankommt. Ich glaube mich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen wenn ich jetzt die Behauptung aufstelle: Österreicher haben die höchsten Punkte der Erde bestiegen, wir waren auf beiden Polen und sogar am Mond, aber hier in Premana, hier waren wir die Ersten !

Erfreut fassten wir unsere Startnummern aus - personalisierte, hauchdünne Laufshirts mit Österreichicher Fahne und unseren Namen drauf, ichWolfgang Zingl in seinem Element werde meines nur noch zu ganz besonderen Anlässen wie Weihnachten, Ostern oder Schulschluß tragen -, Sorgenfalten umwölkten unseren Stirnen als wir erfuhren, dass der Veranstalter unsere Hotelreservierung verschlampt hatte, das einzige (Einstern) Hotel des Dorfes restlos ausgebucht war. Hundert, tausend Mal entschuldigte man sich - und stellte uns eine Villa mit mehreren Schlafzimmern und zwei Bädern zur Verfügung ! Das geht natürlich auch ließen wir unsere neuen Freunde - wir kommen bestimmt wieder ! - wissen.

 

Der Skymarathon war mit 32 Kilometern ausgeschrieben, 3000 positive (als auch negative) Höhenmeter über 3 Berge entschädigen reichlich für die fehlenden 12 Kilometer. Und selbst bei diesen bin ich mir nicht ganz sicher, die letzten 4 Kilometer - allesamt bergab - liefen wir in einem 7-er Schnitt. Der erste Kilometer, teils durch die verwinkelte Altstadt, führte bergab, ich sah es als ersten kleinen Erfolg an nicht schon hier von einem der Konkurrenten weggeräumt zu werden - einer schaffte es tatsächlich in vollem Sprint gegen eine Dachrinne zu laufen ! - , fand schneller als gewöhnlich meine Kletterbeine und machte einige Positionen gut. Hier lief ich auch zu Sven auf, gemeinsam führten wir die erste Verfolgergruppe am ersten Gipfel. Unverständlicherweise war es dann mit meiner Herrlichkeit vorbei, ich spürte eine Müdigkeit, von der ich eigentlich gehofft hätte sie würde frühestens am Rückweg auf Höhe St. Pölten kommen, und musste die Gruppe ziehen lassen. Auf einem schwierigen Downhill wie diesen hatte ich mich auch schon mal sicherer gefühlt, die von mir zuvor in der Mannschaftsbesprechung ausgegebene Parole "Genießen wir das Rennen" wurde durch ein "So a ######, ich hab grad mal ein Viertel" ersetzt.

Im Training ist es mir oft schon passiert, dass ich mich 2,5 Stunden lang wirklich schlecht fühle und dann plötzlich von irgendwoher frische Beine und einen neue Lunge kommen, ich zu Höchstform auflaufe. Zu meiner eigenen Überraschung widerfuhr mir das auch hier auf der zweiten, längsten und härtesten Steigung des Tages, nachdem ich Irrtum für ausgeschlossen hielt legte ich Tempo zu, veränderte mich im Klassement zur Abwechslung in die richtige Richtung. Am Gipfel eine Stimmung wie am Giro, so viele Leute gehen die ganze Saison nicht auf Schneeberg oder Rax ! Beim Downhill stieß ich auch wieder auf Sven und einige Andere unserer alten Gruppe. Sven ist einer meiner besten Freunde, als ich die Einladung nicht nur für mich sondern auch für einen anderen Athleten erhielt hatte ich keine Sekunden überlegen müssen wem ich mithaben wollte, abgesehen von all den Spaß den wir vor, nach und selbst im Rennen gehabt hatten, dieses letzten Renndrittel hätte mich nochmals überzeugt den Richtigen gewählt zu haben. Mal half mir Sven über eine Krise, mal wusste ich ihn zu motivieren. Arm in Arm liefen wir - nachdem mich Sven noch genötigt hatte einen (ich glaube) Italiener abzusprinten - an 22. und 23. Stelle ins Ziel ein. Im Nationenranking wurden wir zwar von Andorra und Mexiko überholt, da wir aber unsererseits Schott- und Russland überholten hielten wir den 9. Platz, in der Kombination aus beiden Rennen erreichte ich mit dem 12. Platz die zuvor erhofften Top 15.

  

Jetzt freue ich mich auf unsere Hochzeit nächste Woche und die längst fällige 2-wöchige Trainingspause. Danach suche ich mir Ende September oder Oktober einen "kleineren" Ultra im Bereich 50, 60 Kilometer bevor ich die Vorbereitung auf 2011 ( wahrscheinlich den Montagnhard mit 120 km, 10000 Hm ) angehe.

 

Bis bald, liebe Grüße

  

Wolfgang