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Der heutige Tag begann zumindest schon besser als der gestrige geendet hatte. Roland Schwarzl (doch nicht bauchfrei...) egalisierte mit 11,23 im ersten 100m-Zeitlauf des Zehnkampfes seine Saisonbestleistung von Götzis, wo er am Ende immerhin deutlich über 8000 Punkte kam.
Um 12:24 wird es dann ernst für Hallen-WM-Seminfinalist Andreas Rapatz, der über 800m im 3. Vorlauf antreten wird. Aufstiegsmodus: 3 + 4, also die ersten 3 jedes Zeitlaufes und die weiteren 4 Zeitschnellsten kommen ins Semifinale. Von der Saisonbestleistung her ist Andi Nummer 7 von 8 in seinem Lauf, aber dem stehts optimistischen (einer der wenigen Österreichischen Spitzensportler, der Jammern & Sudern nicht in seinem bevorzugten Repertoire hat) ist mit seinem schnellen finish durchaus ein Weiterkommen zuzutrauen.
Und das war der weitere Verlauf des Vormittages:
Hervorragend ist Roland Schwarzl unterwegs. Beim Weitsprung war er mit 7,68 (Freiluftbestleistung!) sogar der Drittbeste des gesamten Feldes. Besonders bemerkenswert dabei: er erzielte diese Weite bei einem Gegenwind von 2,4m/s, während der Weiteste von einem Rückenwind von 1,9m/s profitierte. Es ist also auch immer etwas Glückssache, aber andererseits traf Roli genau den Balken, was bei Rückenwind vielleicht zu einem übertretenen Sprung geführt hätte.
Im Kugelstoßen ließ er dann für ihn hervorragende 14,16m im zweiten Versuch folgen. Damit liegt er in der Zwischenwertung nach 3 Disziplinen unter 28 Startern auf dem hervorragenden 8. Rang! Es geht also!!!
Das Rennen von Andi Rapatz entwickelte sich wie erwartet und befürchtet: ständig e Rempeleien, Rhythmuswechsel und Positionskämpfe auf engstem Raum prägten das Rennen. Am Anfang war Andi gut positioniert, aber bereits in der Kurve bei 450m fand er sich in der Innenbahn eingesperrt, die gleiche Situation wieder bei 600m. Erst bei ca. 650m fand er Raum für einen Endspurt, da waren aber ein paar andere Läufer schon außer Reichweite, weil die auch nicht auf ihn warten wollten. Letztlich wurde es Rang 6 in seinem Vorlauf, die Zeit von 1:51,55 tut nichts zur Sache bei e inem Meisterschaftsrennen. Für ein Weiterkommen über die Zeit wären 1:51,05 notwendig gewesen, also gar nicht sooo weit weg.
Noch wilder ging es im 2. Vorlauf zu. Nach einer Rempelei rannte der Niederländer Lathouwers quer durch Innefeld und Weitsprunggrube und ordnete sich dann von innen mit einer körperbetonten Geste wieder ins Feld ein. Die Freude über den Sieg in diesem Lauf währte kurz, ein paar Minuten später war er schon disqualifiziert.
Apropos wild: die weißrussische Kugelstoßerin Ostapchuk, die die Konkurrenz mit rund einem Meter Vorsprung gewann, nährte wieder zurecht Diskussionen über die Notwendigkeit der früher üblichen "Sex-Tests". Gleich mehrere Insider sehen an der Sportlerin soviel Weiblichkeit, dass Caster Semenya dagegen glatt als double für Pamela Anderson durchgehen könnte. Nachdem "künstliche Hormonstörungen" bei Frauen durch die Dopingkontrollen doch immer häufiger nachgewiesen werden können, muss man soszusagen als Nebenwirkung des Kontrollsystems vielleicht doch wieder häufiger auf Sportlerinnen mit natürlichen Hormonstörungen zurückgreifen, in manchen Fällen wird offensichtlich gleich beides kombiniert, wie nachträgliche Veränderungen der Medaillenzuordnungen immer wieder zeigen.
U nd weil wir schon beim Thema sind: Insidern ist heute beim 3000m-Hindernis-Vorlauf der Damen die Türkin Uslu Binnaz aufgefallen. Die war immerhin im Jahr 2005 in Erfurt U 23 Europameisterin über 5000m (im Jahr 2004 mit 19 Jahren lief sie die 800m schon in 2:00,94), ein Jahr später war sie siegreich bei der U 23 Cross EM in Italien. Einen Tag nach ihrem 22. Geburtstag bekam sie am 13.3.2007 im Training Besuch von bösen Dopingkontrolloren, die offensichtlich so böse waren, dass diese ihr Trainer gleich verprügeln wollte. Ergebnis: lebenslange Sperre für den Trainer, 2 Jahre Sperre für die Sportlerin wegen Anabolika-Dopings. Die Sperre ist abgelaufen, heute lief sie also wieder bei der EM, blieb allerdings im Vorlauf 35 Sekunden hinter der Siegerin. Wollte sie den Unterschied zwischen "mit" und "ohne" wissen? Eine Anekdote, die uns Österreichern bekannt vorkommt, gibt es dazu auch noch: bei der Junioren-WM 2004, wo sie über 800m als Favoritin galt, verzichtete sie auf das Finale "wegen einer Fußverletzung"... Wir bleiben dabei: in solchen schwerwiegenden Dopingfällen gehört eine lebenslange Sperre her!
Am Nachmittag gings dann mit einigen Höhepunkten weiter, wobei wir schon ziemlich im Banne von Andis 1500m Lauf standen. Der Hochsprung von Roland Schwarzl im Zehnkampf ist immer eine Zitterpartie, die 186cm waren für ihn ok, aber nicht berauschend. Die 400m mit 50,16" waren hingegen sogar wieder eine Saisonbestleistung und die schnellste Zeit seit 4 Jahren. In Summe ergab das Rang 15 mit 4014 Punkten nach dem ersten Tag. Insider wissen natürlich, dass Roland am zweiten Tag - da hängt viel vom Stabhochsprung ab - seinen stärkeren Tag hat und wenn alles normal verläuft, wird er sicher noch einige Plätze gut machen!
Spannung versprach natürlich der 100m Lauf der Männer. Ryan Moseley verpasste mit guten 10,27" und der (ex aeqou) schnellsten "non-qualifier" Zeit das Finale denkbar knapp. Schade. So entwickelte sich das Finale - etwas Neues bei einem Großereignis - zu einem Duell Weiß (Lemaitre) gegen Schwarz. Der junge Franzose, der so ganz anders wirkt als die (vergleichsweise) Zuchtbullen neben ihm, lief zu einem bejubelten Sieg in 10,11". Gleich vier weitere Sprinter dahinter mit 10,18". Dwain Chambers wurde schon bei der Vorstellung zurecht mit Pfiffen bedacht (obwohl sich da die Spanier wohlwissend lieber zurückhalten...) und praktisch alle Leichtathletik-Fans waren froh, dass er mit Platz 5 ohne Medaille blieb. Es geht ja also auch, wenn man weiß ist. Beim 400m Finale werden wir dafür wohl einen weiteren Beweis bekommen...
Von der Ausdauerabteilung waren die Damen über 10000m an der Reihe. Objektiv kann man festhalten, dass dieses Rennen bei weitem nicht so spannend war wie jenes der Männer. Schon die entry-list zeigte eine Bandbreite von rund 4 Minuten (von 29 hoch bis 33 Minuten) und das Feld fiel recht bald ziemlich auseinander, sodass unaufmerksame Zuschauer bald nicht mehr wussten, wer aufgrund der zahlreichen Überrundungen eigentlich an welcher Stelle lag. Die für die Türkei eingebürgerte Äthiopierin Abelleygesse "zerlegte" das Feld so ziemlich nach Belieben und siegte unangefochten. "Ich-bin-ja-nur-ein-kleines-Häschen" (Eigenbezeichnung) Sabrina Mockenhaupt von unseren deutschen Freunden jubelte zwar als Sechste beim Zieleinlauf, das war aber mehr eine Marketingmaßnahme in eigener Sache, wie die deutsche Mannschaftsleitung am nächsten Tag bestätigte. Auf jeden Fall wird am Ende der EM die Statistik spannend, wieviele Siege bei der Europameisterschaft vor allem in den Laufdisziplinen an eingebürgerte Afrikaner gehen oder jene mit afrikanischen Wurzeln. Wenn man sieht, wie bereits 18-jährige von Aserbaidschan (ja, das gehört auch zu Europa) "eingekauft" werden, damit die auch zu einem EM-Titel kommen (bereits voriges Jahr bei der U 20 EM in Novi Sad der Fall), dann sollte sich die EA sehr bald etwas einfallen lassen.
Zum nachstehenden Teil siehe die Ergänzung "Sonderausgabe EM-TAGEBUCH"
Um 20:50 ist es dann heute soweit: im zweiten Semifinallauf über 1500m ist mit Andreas Vojta erstmals ein team2012.at Läufer bei einer LA-Europameisterschaft im Einsatz.
Die Startliste seines Laufes:
STARTLISTE 1500m Männer, Semifinallauf 2, Mi, 28.7.2010, Startzeit: 20:50
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Nr
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Name, geb.
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Nation
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PB
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1
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BERGDAHL Mikael, 1983 |
FIN |
3:41,41
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2
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CASADO Arturo, 1983 |
ESP |
3:33,14
|
|
3
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VERWER Niels, 1989 |
NED |
3:40,08
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|
4
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DEMCZYSZAK Mateusz, 1986 |
POL |
3:38,72
|
|
5
|
VAN MALDEREN Kristof, 1983 |
BEL |
3:37,13
|
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6
|
WALDMANN Moritz, 1985 |
GER |
3:36,97
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7
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VOJTA Andreas, 1989 |
AUT |
3:40,79
|
|
8
|
JURKEVICS Dmitrijs, 1987 |
LAT |
3:39,60
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|
9
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INGEBRIGSTEN Henrik, 1991 |
NOR |
3:40,14
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10
|
ESTEVEZ Reyes, 1976 |
ESP |
3:30,57
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11
|
SANDELLS Niclas, 1984 |
FIN |
3:40,30
|
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12
|
LANCASHIRE Tom, 1985 |
GBR |
3:34,29
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13
|
SZEMETI Peter, 1988 |
HUN |
3:41,33
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14
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CHAMNEY Thomas, 1984 |
IRL |
3:36,83
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Abgesehen von einigen klaren Favoriten könnte es also sehr eng zugehen, wo ein Bruchteil einer Sekunde Unaufmerksamkeit im Rennen und etwas Glück gleich über mehrere Platzierungen entscheiden kann. Andi ist jedenfalls topfit, voll motiviert und fokussiert und er wird sich so teuer verkaufen wie möglich. Unterstützung bekommt er auch von einigen Österreichischen Fangruppen im Stadion, die extra angereist sind, darunter auch seine Eltern.
Abgesehen vom Kampf um Hundertstelsekunden und Zentimeter beginnt heute auch hier die Wahl für die Athletenkommission des Europäischen Verbandes, wo alle teilnehmenden Athleten wahlberechtigt sind. Günther Weidlinger, der morgen anreisen wird, kandidiert für diese Wahl als Vertreter Österreichs. Erfolgserlebnisse abseits vom Sport gibt es für unseren Kandidaten auf einen Spitzenrang im Marathon (Sonntag um 10:05) bereits im Vorfeld: vor einigen Wochen hat er still und heimlich geheiratet und nun soll er angeblich auch erfolgreich etwas für den Österreichischen Leichtathletik-Nachwuchs getan haben...
Übrigens: einen interesannten Bericht zum Thema Leichtathletik, Doping und zum "Hund, der bellt und beißt" gibt es in der aktuellen Ausgabe der "SPORTWOCHE" (seit gestern, Dienstag, am Kiosk in Österreich)! |