"quergeschrieben"??? Wilhelm Lilge war schon immer ein unbequemer Querdenker, der bestehende Strukturen und Gepflogenheiten in Frage stellt. Dabei sind ihm konstruktive Verbesserungsvorschläge wichtig, weshalb er auch das Buch "Sportland Österreich? Athleten, Abzocker, Allianzen" geschrieben hat. Gerade im Sport, aber auch in der Politik, Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Bereichen scheinen ihm viele Dinge verbesserungswürdig. Er agiert unabhängig von Institutionen und Verbänden und lässt sich von keiner Seite parteipolitisch vereinnahmen.


"quergeschrieben" stellt seine persönliche Sicht der Dinge dar, nicht die Vereinsmeinung des team2012.at. Er greift gern zu direkten Worten, kritischen, harten, ironischen oder zynischen Formulierungen. Diese stoßen nicht immer und überall auf Zustimmung, persönliche Beleidigungen sind aber keinesfalls die Intention. 

Trotz penibler Recherche kann es passieren, dass Fakten nicht ganz richtig dargestellt oder Personen zu Unrecht verunglimpft werden. Falls dies passiert, ersuchen wir um Kontaktaufnahme zur Richtigstellung oder Löschung bestimmter Textstellen, um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden.

 

Die Beiträge hier sollen zum Nachdenken anregen, können durchaus provozieren oder Widerspruch erzeugen und werden keinesfalls als die alleinige Wahrheit angesehen. Wenn der eine oder andere Text einen interessanten Blick hinter die Kulissen verschafft und zur Unterhaltung beiträgt, dann ist der Zweck erfüllt.

 

 

 

Nicht alle werden den hier formulierten persönlichen Meinungen zustimmen, aber sehen wir es sportlich: besser polarisieren als langweilen. Eines ist jedenfalls sicher: Wilhelm Lilge lässt sich weiterhin durch Nichts einschüchtern und ist auch nicht käuflich.

Das Thema "Sport" im aktuellen Regierungsprogramm 2020 - 2024

 

(Beitrag wird noch überarbeitet, entstand zack-zack-zack und enthält sicher noch viele Fehler)

 

Nun liegt es also vor, das Regierungsprogramm der (vermutlich) neuen Regierung.

 

 

Und siehe da: zum Thema Sport finden sich tatsächlich 6 Seiten. Das sind ziemlich genau gleich viele Quadratzentimeter wie bei der letzten Regierung. Über den Inhalt sagt das natürlich nichts aus.

 

 

Der „Standard“ hat mal eine kurze Einschätzung versucht, aber ich hab noch nichts gefunden, was etwas in die Tiefe geht und nicht parteipolitisch motiviert ist.

 

 

Was steht nun tatsächlich drinnen, wie kann man das aus unabhängiger Position heraus beurteilen? (Anm: ich lege großen Wert auf meine parteipolitische Unabhängigkeit und bin auch von keinem Verband, Medium oder was auch immer, abhängig)

 

 

Zuerst vorweg ein paar wesentliche Anmerkungen:

 

Ich habe als Trainer im Spitzen- und Hobbysport nun über 20 Sportminister „überlebt“ und verfolge die Szene seit langer Zeit sehr genau. Ein Sportminister muss nicht sportlich ausschauen.  Nachteil wäre es allerdings keiner, wenn es um Glaubwürdigkeit geht. Der Sportminister, der in den letzten 40 Jahren wohl das größte (und wirkungsvollste) Engagement für den Sport gezeigt hat, war nach Einschätzung vieler Insider Fred Sinowatz, und der sah auch nicht gerade sportlich aus. Die Partei, die den Amtsvorgänger des mutmaßlichen neuen Sportministers Werner Kogler stellte (ja, Strache war tatsächlich Sportminister) , braucht am wenigsten zu meckern. Der neue Sportminister ist zumindest nicht suchtkrank und er war in der Jugendzeit ein ganz passabler Kicker. Sein Amtsvorgänger kann als Berührungspunkt zum Sport in den letzten Jahren bestenfalls vorweisen, dass er vor ein paar Jahren seine Ex-Freundin zu einem Hobbytriathlon begleitet hatte…

 

 

Einen grünen Sportminister gab es also noch nie in Österreich und das eröffnet neue Chancen und Risken. Die große Chance ist gegeben, dass jemand ohne Verbindungen in die verkrusteten Strukturen hinein weniger Rücksicht bei den dringend notwendigen Reformen nehmen muss und dass bestimmte Dinge, die „halt schon immer so waren“ endlich hinterfragt und verbessert werden. Das Risiko ist allerdings, wenn Kogler auf die falschen Berater setzt, wird er sehr wahrscheinlich von den meist machtbesessenen Beharrern und Bremsern ausgebremst werden. Es ist ja auch kein Zufall, dass z.B. jeder Versuch eines Ministers, die anachronistische, ineffiziente und teure Dachverbandsstruktur aufzubrechen, dazu geführt hat, dass der Minister nicht mehr lange im Amt war. De fakto waren auch die letzten Sportminister unterwürfige Ausführungsorgane von Funktionären wie Peter Schröcksnadel und Co – im Kooperation mit Krone und ORF. Gegen dieses Machtkartell war noch jede Regierung chancenlos. Ob da ausgerechnet die Grünen die notwendige Machtbasis finden werden, wird sich zeigen.

 

 

Regierungsprogramm hin oder her, Papier ist geduldig, an den Taten wollen wir sie messen. Eine Pauschalrechtfertigung  wie „100 Tage Schonfrist“ ist jedenfalls unangemessen. Die Zeit drängt, jetzt sind Reformen und Taten gefragt und nicht Arbeitsgruppen und viele Konjunktive.

 

 

Das was die FPÖ-Sportsprecherin via APA-Aussendung verbreitet hat, ist jedenfalls eher unsachlich und schönfärberisch, was die eigenen (FPÖ-) Aktivitäten im Sportbereich anbelangt. Petra Steger, die als Ex-Leistungssportlerin die Strukturen gut kennt, bleibt die Erklärung schuldig, in welchem Bereich der FP-Sportminister denn so ruhmreich aufgetreten ist. In Erinnerung bleibt jedenfalls, wie er bei der Kletter-WM in Innsbruck gnadenlos ausgepfiffen wurde (und deshalb später kaum mehr Sportveranstaltungen besuchte) und v.a. weil die wirkungsvollste Änderung eine gnadenlose parteipolitische Umfärbeaktion in vielen sportlichen Gremien war, wie es Österreich noch nie erlebt hatte – und das heißt wirklich viel. Blau statt Qualifikation/Erfahrung war das Hauptaugenmerk dabei, politische Wendehälse und Opportunisten besonders bevorzugt. Den Schaden wird der Sport in Österreich noch länger ausbaden müssen. Werner Kogler „… keine Erfahrung und Expertise…“ vorzuwerfen (im Gegensatz zu Strache???), ist schon ziemlich absurd.

 

 

In dieser Hinsicht kann es unter Grün eigentlich nur besser werden, die Latte liegt ohnehin nicht hoch. Im letzten VP/FP-Regierungsprogramm standen im Sportprogramm schon viele sehr vernünftige Dinge drinnen (die Einschätzung von damals gibt’s hier zum Nachlesen), umgesetzt wurde davon aber praktisch gar nichts.

 

 

Aber schauen wir uns das aktuelle Regierungsprogramm nun Punkt für Punkt an, was da zum Thema „Sport“ steht. Bei manchen Passagen hat man schon den Eindruck, dass das ein grüner Praktikant auf die Schnelle in einer Mittagspause zusammengeschrieben hat. Da und dort scheinbar ein paar wichtige Begriffe wie „Genderaspekte, Integration, Inklusion und Gleichberechtigung“ eingestreut und voilá, fertig ist das Sportprogramm.

 

 

Eines vorweg: wenn man das ganze „Sportprogramm“ Punkt für Punkt durcharbeitet, stellt man fest, dass es immer wieder Wiederholungen, Widersprüche und auch gesetzlich geregelte Bestimmungen gibt, die von den Programmschreibern ignoriert werden oder deren man sich nicht bewusst war. Die Zusammenstellung macht auch den Eindruck, dass die zuerst die VP-Seite einen Entwurf geschrieben hat, wo dann im Anschluss die Grünen-Seite einzelne Punkte (eher zufällig) eingestreut oder beim jeweiligen Kapitel einfach hinten angehängt hätte. Der Zeitdruck dürfte jedenfalls hoch gewesen sein, manche Ausführungen konnte ich nur humorvoll und/oder mit etwas Zynismus zur Kenntnis nehmen…

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Der Dopingskandal von Seefeld - was am Ende des Tages davon übrig bleibt. "Im Spitzensport dopen eh fast alle und mir ist es egal" (?)

Live-Interview im Studio von Puls4 am 13.3.
Live-Interview im Studio von Puls4 am 13.3.

 

Vorbemerkung:

 

Aufgrund des Dopingskandals von Seefeld (Erfurt?) bin ich in den letzten zweieinhalb Wochen bei über 10 TV-Interviews gewesen, davon einige Live-Studiodiskussionen, weiters mehrere Treffen mit Journalisten von Printmedien und Internet-Plattformen, und es gab viele mehr oder weniger lange Telefoninterviews mit in- und ausländischen Medien (gestern wieder eineinhalb Stunden) – die Fragen waren immer sehr ähnlich. Ich habe einigen Formaten auch abgesagt, u.a. einer beliebten TV-Show des ORF, wo ich geschrieben habe: „Bin für jede seriöse Diskussion zu haben, die allerdings lösungsorientiert und nicht nur voyeuristisch sein sollte.

 

Der Zeitaufwand dafür war mit ca. 40 Stunden enorm und ich lege Wert darauf, dass es von keiner Seite auch nur einen Cent dafür gab. Meine Unabhängigkeit ist mir sehr viel wert.

 

Die nachfolgende Auflistung zeigt die häufigsten Fragen und entsprechende Antworten. Dadurch kann vielleicht vermieden werden, dass immer wieder die gleichen Fragen kommen und auch, dass durch das oft extreme „Zusammenschneiden“ von TV-Interviews wichtige fehlende Passagen einen nicht ganz stimmigen Eindruck vermitteln.

 

Diese Auflistung ist keine komplette Behandlung des Themas „Doping im Spitzen- und Hobbysport“, sondern eher als eine Art „FAQ“ mit Antworten zu sehen. Ich werde sicher noch Überarbeitungen und Ergänzungen vornehmen, bei Fehlern bitte um entsprechende Hinweise. Dies ist keine wissenschaftliche Arbeit, sondern kann allen am Thema Interessierten hoffentlich ein paar wichtige Aspekte aufzeigen.

 

Kam der Dopingfall in Seefeld überraschend?

 

Es gab in den letzten Wochen und Monaten konkrete Anzeichen/Hinweise, dass sich in Österreich hinsichtlich Doping wieder „etwas tut“, bzw. welche Personen involviert sein könnten. Bei diesen Hinweisen die ich bekommen habe, muss man aber sehr vorsichtig sein. Dass die Angelegenheit in Seefeld „explodiert“ kam für mich überraschend, weil die Athleten/Verbände mittlerweile wissen müssten, dass sie bei Großereignissen besonders unter Beobachtung stehen.

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Kilimandscharo...

am Gipfel des Kilimandscharo (Uhuru Peak) auf 5895m angekommen
am Gipfel des Kilimandscharo (Uhuru Peak) auf 5895m angekommen

Kilimandscharo – we did it!

Der Kilimandscharo ist in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Berg: mit 5895m Höhe ist er nicht nur Afrikas Vertreter unter den „7 summits“ als höchster Berg des Kontinents, sondern er ist sogar der höchste freistehende Berg der Welt. Vom Plateau ringsum auf ca. 800m sind es also über 5000 Höhenmeter auf den Gipfel. Bis 1964 (also bis zu meinem Geburtsjahr...) hieß der Kilimandscharo (bzw. engl. Kilimanjaro) "Kaiser Wilhelm Spitze" oder "Wilhelmskuppe". Zitat von Wikipedia: "Während der kolonialen Besetzung durch das Deutsche Reich in der Zeit von 1885 bis 1918 bildete dieses Bergmassiv das höchste Gebirge des Reiches. Der Erstbesteiger Hans Meyer taufte den Kibo als höchsten deutschen Berg in Kaiser-Wilhelm-Spitze um... Erst im Rahmen der Unabhängigkeit wurde die Regierung der Republik Tanganjika darauf aufmerksam, dass die Bergspitze des Kibo weiterhin Kaiser-Wilhelm-Spitze hieß. 1964 wurde diese in Uhuru umbenannt, was auf Suaheli Freiheit bedeutet."

 

Die technischen Schwierigkeiten bei der Besteigung sind dabei kaum anspruchsvoller als jene auf den Schneeberg.

 

Also nichts wie hin und einfach hinaufwandern? Na ja, ganz so einfach ist es auch nicht. Eine Höhe von knapp 6000m – und damit in der „Todeszone“ – ist im Regelfall nur bei entsprechender Anpassung zu schaffen. Von rund 30.000 Bergsteigern, die pro Jahr die Besteigung versuchen, scheitern rund 50%, und es wird von den Tourismusverantwortlichen gern verschwiegen, dass der Berg jährlich 10 – 15 Todesopfer fordert.

Die gesamte Reise samt Besteigung und allen Bewilligungen ist nicht billig, bewegt sich aber pro Person in der Dimension dessen, was ein starker Raucher pro Jahr für Zigaretten ausgibt. Man kann sich die Besteigung nicht „erkaufen“, das musste auch der Oligarch Roman Abramovich erfahren, der für seine 7-köpfige Gruppe insgesamt 116 Helfer beschäftigte. Trotzdem musste er nach Anzeichen einer akuten Höhenkrankheit auf ca. 4600m Höhe schnell ins Tal gebracht werden. Hervorragende körperliche Fitness kann zwar nicht schaden, diese ist aber längst keine Garantie, um mit der extremen Höhe zurechtzukommen, wie auch ein ehemaliger österreichischer Spitzenläufer am Kilimandscharo erfahren musste.

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Wenn der Sepp und der Lois meinen: "Machen wir doch Olympische Spiele!"

Die Olympischen Ringe haben längst nicht mehr die Strahlkraft von einst.
Die Olympischen Ringe haben längst nicht mehr die Strahlkraft von einst.

Die Olympischen Spiele in Korea sind vorbei und wir haben von den österreichischen Athleten viele herausragende Leistungen erlebt. Egal ob Ausnahmekönner Marcel Hirscher oder die (meines Erachtens aufgrund der Bedeutung/Leistungsdichte der Sportarten)  tollen Platzierungen von Vanessa Herzog oder Teresa Stadlober - das war beeindruckend und wird hoffentlich den einen oder anderen jungen Sportler in Österreich inspirieren.

 

In Pyeonchang war allerdings nicht alles so, wie man sich das von Olympischen Spielen und dem "größten Sportereignis der Welt" wünscht. Marcel Hirscher meinte in einem Interview nach den Spielen: "Ich würde gern Hrn. Bach (Anm: IOC-Präsident) fragen, nach welchen Kriterien eigentlich Olympische Spiele vergeben werden". Er war frustriert über die höchst spärlichen Zuschauer im Ziel seiner Rennen und wie wenig die Koreaner mit den - aus unserer Sicht - wichtigen Sportarten anfangen können. 

 

Na ja, so Olympische Spiele wieder mal daheim in Österreich wären schon nett, oder? Geht das? Macht das Sinn? Ist das leistbar???

Olympische Winterspiele 2026 in Graz/Schladming?

 

Im Schatten der alpinen Rennen von Kitzbühel und Schladming und der  Winterspiele in Korea ist das Vorpreschen einiger steirischer Lokalpolitiker für eine Bewerbung um die Ausrichtung von Olympischen Winterspielen 2026 (mit den Bewerberstädten Graz und Schladming) etwas untergegangen. Die Initiative mutet in Art und Weise ziemlich kurios und dilettantisch an. Eine Entscheidung für eine Bewerbung müsste bis Ende März fallen, schon allein diese Frist zeigt, dass die Idee von Sepp Schoissengeier und Alois Huber (oder so ähnlich) eher eine nicht nur sprichwörtliche Schnapsidee ist.

Das Argument, dass man "Special Olympics" erfolgreich ausgerichtet hätte und deshalb auch Olympische Spiele kein Problem sein sollten, ist ungefähr so, wie wenn man die unfallfreie Durchführung eines Schulschikurses als Kompetenzbeweis für die Durchführung einer Fußball-WM anführen würde. Dazu kommt noch, dass man die Rechnung ohne den Wirt macht und der Wirt ist im Fall Olympia auf jeden Fall das Internationale Olympische Komitee (IOC).

  

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Das Sportprogramm der neuen Regierung - eine erste Einschätzung

Habemus Sportminister! Habemus Sportprogramm!

 

Gestern wurde das neue Regierungsteam vorgestellt und auch ein ziemlich umfangreiches Regierungsprogramm (183 Seiten) präsentiert.

 

Der Sport, der in den letzten Jahrzehnten wie ein Wanderpokal - oder wie eine heiße Kartoffel? -  von einem zum anderen Ministerium herumgereicht wurde, bekommt bei der Neu-Zusammensetzung der Ministerien wieder einen neuen Platz: raus aus dem Verteidigungsressort, hin zum Vizekanzler. Das kann nicht nur formell durchaus eine Aufwertung bedeuten, zur Verteidigung passte der Sport (einziger Bezug: Sportler beim HSZ) sowieso überhaupt nicht. Er war ein Anhängsel und der breite Bereich des Gesundheits- und Hobbysports wirkte dort wie ein Fremdkörper.

 

Nun ist der Sport beim Vizekanzler quasi Chefsache, das eröffnet zweifelsohne gewisse Chancen, was beim durch Jahrzehnte vom  Proporz nach alter Farbenlehre geprägten organisierten Sport in Österreich durchaus zu mittleren Panikattacken führen könnte.

 

"Mut zur Veränderung" ist wohl kaum woanders so wichtig wie im Sport.

 

Österreich hat die kompliziertesten, teuersten und ineffizientesten Sportstrukturen der Welt mit dem größten parteipolitischen Einfluss. Es gibt viele parallel agierende Institutionen, von den durchaus üppigen öffentlichen Sportförderungsmitteln kommt nur ein Bruchteil beim richtigen Empfänger an. Jede "Strukturreform" vergangener Minister führte letztlich zu einer weiteren Verkomplizierung und zu einer neuen, teuren Organisation, zuletzt auch zur neuen "Bundes-Sportförderungs GmbH" als Doskozil-Erfindung.

 

Hier wurden vom Ministerium alleine für die Suche des Geschäftsführers, dem ein Bezug in der Nähe eines Ministergehalts garantiert wird, € 26.000.- ausgegeben und letztlich zählten im Widerspruch zur Minister-Garantie fachliche Kriterien praktisch gar nicht. Dafür waren Interventions-Versuche eines großen Wintersport-Verbandes offensichtlich erfolgreich. Als Versinnbildlichung des Scheiterns des eigenen Minister-Anspruchs wurde Promi Armin Assinger als Aufsichtsratsvorsitzender installiert und der Geschäftsführer kann ohne Zustimmung der mit den üblichen Verdächtigen (Schröcksnadel, Stoss, ...) besetzten Gremien gar keine Förderentscheidung treffen. Ob die als Doskozil-Vermächtnis am 1.1.2018 per Gesetz in Aktion tretende GmbH lange agieren darf, ist fraglich. Hoffentlich nicht.
Ergänzung: zu diesem Thema (Doskozil-GmbH) hat der Journalist Johann Skocek hier sehr gut analysiert.

 

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Das Gesetz zum Rauchverbot in der Gastronomie kommt nicht - müssen wir uns das gefallen lassen?

 

Das Sterben von Kurt Kuch und vieler anderer zählt für unsere Politiker also nicht. Österreich bleibt hinsichtlich Nichtraucherschutz ein Entwicklungsland sondergleichen und peinliches Schlusslicht in ganz Europa.

 

Die Nikotinabhängigen haben sich durchgesetzt gegen "Mut zur Veränderung". Man könnte über diese klassisch österreichische "Lösung" ja fast lachen, wenn es nicht eine dramatisch wichtige Aufgabe der Politik wäre, dafür zu sorgen, dass die Zahl von 14.000 Menschen, die an den Folgen des Rauchens jedes Jahr in Österreich sterben (ca. 50 x so viele wie im Straßenverkehr) - dazu ca. 1000 "unschuldige" Passivraucher - endlich geringer wird.

 

Ein konsequentes Rauchverbot in der Gastronomie hätte nicht nur dem Nichtraucherschutz und dem Schutz der Arbeitnehmer gedient (pervers: unter18-Jährige dürfen nicht rauchen (haha Kontrolle...), aber 15-Jährige Kellnerlehrlinge werden dem Rauch ausgesetzt), sondern es geht auch darum, die "Verlockungen" des Rauchens v.a. für Jugendliche möglichst gering zuhalten und für jenen großen Teil der Raucher, die eigentlich aufhören möchten, bzw. die Hemmschwelle etwas zu erhöhen. Rauchmöglichkeiten in der Gastronomie tragen sicherlich nicht dazu bei, sondern führen eher dazu, dass der extrem hohe Anteil an jugendlichen Rauchern in Österreich weiter hoch bleibt. Prävention schaut anders aus, rational begründete Sachpolitik anhand wissenschaftlich gesicherter Fakten ebenso.

 

Die nun getroffene Entscheidung ist zudem wirtschaftlich unvernünftig, da alle wissen, dass die Behandlungskosten von Raucher-Erkrankungen ein Vielfaches der Einnahmen aus der Tabaksteuer betragen. Das oft angeführte Argument der "Einschränkung der persönlichen Freiheit" ist in diesem Fall einfach dumm. Die gleiche "Einschränkung" gibt's übrigens auch bei der Gurtenpflicht und eigentlich auch im Strafrecht bei den Bestimmungen zur (fahrlässigen) Körperverletzung, mitunter mit Todesfolge.

 

Das manchmal in der Diskussion ins Treffen geführte "Wirtesterben" ist noch nirgends auf der Welt im Zuge des Rauchverbots in der Gastronomie jemals tatsächlich eingetreten. Wenn ein paar nikotinabhängige Raucher ausbleiben, kommen stattdessen Nichtraucher (mit Familie), die bisher entsprechende Lokale gemieden haben, weil die Trennung in der Praxis fast nirgends funktioniert.

 

Ein trauriger Tag für Österreich. Die Enttäuschung ist wohl nicht nur bei mir groß.

 

Sollen wir uns das gefallen lassen? Kann Politik viel mehr Schadenanrichten als Menschenleben mutwillig zu gefährden und mitschuldig sein am tausendfachen Tod und Elend???

 

PS: diese Stellungnahme hat nichts mit einer parteipolitischen Präferenz zu tun, dafür ist das Thema zu wichtig und übergreifend. Es haben schließlich auch andere Parteien in Österreich bisher viel zu wenig weitergebracht bei diesem Thema.